Beerdigung von Dennis Sevriens am 14.11.2011

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Dennis SevriensGedanken von Johanna Freymann (geb. Kremer)
Es war ein kalter Montag im November, die Sonne schien durch den Nebel und tauchte die Plattenbauten um den Georgen-Parochial-Friedhof in Berlin-Mitte in gold. Vor dem Blumenladen traf ich André Dickhoff, Adrian Börner und andere ehemalige Landesschüler. Ich erinnerte mich an meine erste rote Rose, die hatte mir Dennis zum 13. Geburtstag geschenkt, 1984 in Meinerzhagen. Der Quartaner war mit dem Fahrrad aus Valbert, wo seine Eltern damals wohnten, morgens früh gekommen und hatte mich mit seinem Glückwunsch geweckt.  

Nun heißt es Abschiednehmen von Dennis. Die Kapelle ist rappelvoll, es gibt schöne Musik und noch bewegendere Ansprachen. André Dickhoff erzählt von seiner engen Freundschaft zu Dennis, mit dem er alle möglichen verrückten und schönen Erinnerungen verbindet. Wie die beiden z.B. in einem Parkhaus in Bielefeld eine Party veranstalteten, Flyer verteilten, mit der Stereoanlage im Auto Musik machten und dort tanzten, weil es sonst nichts Gescheites gab. Wie Dennis beim Silentium ein brennendes Stück Papier durch den Schrank schob und auf Andrés Arbeitsplatz fallen ließ, und überhaupt: wie er ihn regelmäßig zu überraschen wusste. „Ich will ihn nicht glorifizieren, Dennis hat auch viel Mist gebaut, aber er war immer für mich da.“ Dennis spielte oft mit der Gefahr, sagte Roderik Wickert nach der Beerdigung: Bis in den Tod hinein sei er sich konsequent treu geblieben. „Er war immer sehr risikoaffin, hat gerne das Risiko gesucht und damit gespielt und ist manchmal einen Schritt weitergegangen, wo andere vor dem Abgrund stehen geblieben sind. Er provozierte und testete Grenzen aus, um aus dem Konventionellen auszubrechen.“

Die Trauerfeier war säkular, deshalb möchte ich für Dennis den ersten Teil eines Psalmes aufschreiben, der die Hoffnung schenkt, dass kein Tod der Welt das letzte Wort hat über Dennis:


Psalm 139

Ein Lied Davids


Herr, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch.
Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke.
Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut.
Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir.
Daß du mich so genau kennst - unbegreiflich ist das, zu hoch, ein unergründliches Geheimnis!
Wie könnte ich mich dir entziehen; wohin könnte ich fliehen, ohne daß du mich siehst?
Stiege ich in den Himmel hinauf - du bist da! Wollte ich mich im Totenreich verbergen - auch dort bist du!
Eilte ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder versteckte ich mich im äußersten Westen, wo sie untergeht, dann würdest du auch dort mich führen und nicht mehr loslassen.
Wünschte ich mir: «Völlige Dunkelheit soll mich umhüllen, das Licht um mich her soll zur Nacht werden!»: Für dich ist auch das Dunkel nicht finster; die Nacht scheint so hell wie der Tag und die Finsternis so strahlend wie das Licht.
Du hast mich geschaffen - meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet.
Herr, ich danke dir dafür, daß du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich!
Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich gerade erst Form annahm, hast du diesen Embryo schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen begann!
Deine Gedanken sind zu schwer für mich, o Gott, es sind so unfaßbar viele!
Sie sind zahlreicher als der Sand am Meer; wollte ich sie alle zählen, so käme ich doch nie an ein Ende!“

 

Gedanken von Johanna Freymann (geb. Kremer)